Aktuelles

"O unfassbare Liebe des Vaters: Um den Knecht zu erlösen, gabst du den Sohn dahin!"

Liebe Brüder und Schwestern,
prägnanter als in diesen Worten des Exsultets kann man das Geheimnis der Kar- und Ostertage, ja letztlich das Geheimnis unserer Glauben nicht ausdrücken. Gott liebt uns mit unendlicher Liebe und schenkt uns, die es nicht verdient haben, im Sterben und Auferstehen seines Sohnes die Rettung aus Sünde und Tod. Und wir, die in der Taufe mit Christus begraben und auferweckt worden sind, sollen am göttlichen Erbarmen immer neu Anteil erhalten in den Sakramenten der Kirche, besonders im Allerheiligsten Sakrament des Altares, das unser Herr am Abend vor seinem Leiden eingesetzt hat. Hier wird sein Opfer immer neu auf unseren Altären gegenwärtig. Hier schenkt er uns nicht weniger als sich selbst.
Vor der Auferstehung aber steht die Passion, das Leid, der Schmerz, das Verraten- und Verlassenwerden, die Verhöhnung und Verachtung, die Einsamkeit und Gottverlassenheit. In diesem Jahr können wir die Passion unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus erstmals wieder auf dem Passionszyklus aus dem 14. Jahrhundert betrachten, der seit Jahren unter einer dicken Schicht aus Ruß und Staub wie unter einem dunklen Schleier verborgen war, so dass man die Darstellungen nur noch schemenhaft erahnen konnte. Die Restaurierung hat diese in mühevoller Kleinarbeit wieder freigelegt, man kann sie nun wieder genau erkennen.
Ähnlich müssen aber auch wir es machen. Wir müssen die Schmutzschicht aus Sünde und Schuld, aus Versagen und Angst, Lieblosigkeit und Hartherzigkeit von unseren Augen nehmen – oder genauer abnehmen lassen – damit wir Gott und seine Liebe erkennen können. Hierzu dienen zum einen die Gottesdienste und Andachten der Karwoche, mehr noch aber die Osterbeichte.
Im Zentrum unseres Zyklus´ steht das Kreuz, das Geheimnis der unfassbaren Liebe Gottes, der den Sohn hingab, um uns, Knechte und Mägde, zu erlösen. Dass wir diese Liebe immer tiefer erkennen, das wünsche ich uns allen.
Ihnen allen – auch im Namen meiner Mitbrüder – eine gute restliche Fastenzeit und ein frohes und gesegnetes Osterfest
Ihr

 

P. Jörg Weinbach OT
         (Kirchenrektor)